Im Advent 2025 kündigten sich große Dinge an: Alle Sängerinnen und Sänger der Kirchenchöre des Bistums Würzburg waren eingeladen, mit unserem Bischof eine Wallfahrt nach Rom zu machen. Die Reise sollte Anfang September stattfinden, vom sechsten bis zum zwölften, also in der letzten Woche der Schulferien. In der Kantorei von St. Justinus standen allerdings erst einmal die Proben für das offene Singen am Katholikentag im Mai an, an dem vierzehn Mitglieder der Kantorei teilnahmen. Erst danach begannen die Proben für die Romfahrer.
Aus der Kantorei an St. Justinus hatten sich neun Chormitglieder angemeldet, ein Bass, ein Tenor, fünf Altistinnen und zwei Sopranistinnen. Natürlich nahm auch noch unser Dirigent und Chorleiter Marcel Schwarz teil, sowie zwei (nicht mitsingende) Ehepartner, die sich alle letztendlich auf die Reise nach Rom machen wollten. Aber: Ohne Fleiß keinen Preis! Ende April erreichte uns die Liste mit den knapp 50 Probenterminen, aufgeschlüsselt nach den Regionen Aschaffenburg (wozu wir auch Alzenauer gehörten), Schweinfurt und Würzburg – insgesamt knapp fünfzig Termine. Natürlich ist niemand von uns zu den Probenterminen nach Lohr oder Hammelburg gefahren. Aber bei den Proben in unserer Region, beispielsweise in Alzenau oder Aschaffenburg, gab es erste Gelegenheit, die Mitsänger aus anderen Chören kennenzulernen. Bei der Gesamtprobe in Würzburg Ende Juli unter der Leitung von Diözesanmusikdirektor Rainer Abele wurde uns erstmals klar, wie viele wir waren – über fünfhundert Sänger. Die Seminarkirche St. Michael war gut gefüllt. Hier hörten wir auch erstmals das Bläserensemble, das uns während unserer Wallfahrt begleiten sollte. Beeindruckend waren einerseits die Klangfülle, die jede der besuchten Kathedralen zum Schwingen bringen konnte, andererseits aber auch die Brillanz und enormen Fähigkeiten der Musiker.
Am Sonntag, den 6. September wurde die Alzenauer Gruppe von „Bus 2“ um kurz nach vier, also mitten in der Nacht, abgeholt, weitere Sänger wurden in Obernburg, Goldbach und Miltenberg eingesammelt, wo auch unser zweiter Reiseleiter Michael Bailer einstieg. Nicht allen gelang es, den fehlenden Nachtschlaf auf der Fahrt nach Ellwangen nachzuholen, wo wir die anderen acht Pilgerbusse trafen. In der dortigen Wallfahrtskirche Schönenberg, einer wunderschönen Barockkirche, haben wir mit unserem Bischof Franz Jung das Morgenlob gebetet und gesungen. Dabei erlebten wir auch erstmals den Kammerchor. Nach einer Stärkung mit Tee, Kaffee und belegten Brötchen ging es weiter; ab dort mit unserem liebenswürdigen neuen Busfahrer Holger, der uns sicher nach und durch Rom brachte und wieder zurück (bis nach Würzburg). Jetzt ging es erst einmal in Richtung Österreich. Allerdings hätte „Bus 2“ aufgrund zahlreicher Staus die Heilige Messe im Innsbrucker „Stift Wilten“ erst zum Schlussegen erreicht. Daher wurde in Österreich nur mittags einen kurzer Zwischenstopp eingelegt, und wir fuhren bis zu unserem Hotel im Großraum Verona. Langweilig wurde es auf der Fahrt nicht: Eine Andacht, Gebete, viele Lieder aus unserer Rommappe und unterhaltsame Gespräche mit den Mitreisenden verkürzten uns die Zeit.
Nach einem typisch italienischen Hotelfrühstück ging es weiter nach Mantua, wo wir in der Basilika Sant' Andrea mit unserem Bischof Eucharistie feierten. Danach gab es die Möglichkeit, in der Krypta die Reliquien des heiligen Blutes Christi zu verehren und sich bei einem Bummel durch die Altstadt einen kleinen Imbiss zu genehmigen. Wieder gab es viele Staus auf dem Weg zur Heiligen Stadt, die Reise wurde uns in „Bus 2“ aber nicht lang: Singen, sich Unterhalten, Beten, aber auch kurze Informationen zu den Regionen, die wir durchquerten – Po-Ebene (Venetien), Emilia-Romagna, Apennin und Toskana, Umbrien (Heimat von Franz von Assisi). Entlang des Tibers gelangten wir schließlich nach Latium mit seiner Hauptstadt Rom, wo wir dann drei Tage verbringen würden. Das Bistum berichtete:
Die Tage in Rom waren prall gefüllt, sie begannen jeweils mit einem geistlichen Impuls, während wir mit dem Bus in die Stadt fuhren – die Lieder dienten dabei zugleich dem Einsingen für die jeweilige Heilige Messe am Tag. In Begleitung unserer sehr kundigen und hilfsbereiten Reiseführerin Karin besuchten wir Sehenswürdigkeiten wie das Pantheon, die Spanische Treppe und den Trevi-Brunnen. Auch zahlreiche Kirchen standen auf dem Programm. So wurden mit der „Basilica di San Giovanni in Laterano“ (Lateranbasilika, mit den Kopfreliquien von Petrus und Paulus), „San Paolo fuori le mura“ (Sankt Paul vor den Mauern mit dem Grab des Paulus) und „San Pietro in Vaticano“ (Petersdom mit dem Grab des Petrus) gleich drei der vier römischen Papstbasiliken besichtigt. Die Eucharistiefeier in der Sant’Ignazio-Kirche war nicht nur für Bischof Jung etwas Besonderes. In der Kirche des heiligen Ignatius und des Jesuitenordens wurde Bischof Jung am 10. Oktober 1992 zum Priester geweiht. Im Anschluss an die Messe, in der wir zum Hochfest „Mariae Namen“ u.a. die „Missa Sancti Kiliani“ (Messe zum Heiligen Kilian) sangen, bezeichnete unser Bischof Franz sein Gefühl während des Gottesdienstes mit den Worten: „Es hat sich angefühlt wie nach Hause kommen.“ Von seiner Herzlichkeit und mitreißenden Begeisterung in der Predigt waren wir Sänger tief beeindruckt. Das Bistum berichtete:
https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/mein-herz-geht-auf/
Am Mittwoch, 9. September, folgte, was viele im Nachhinein als die Höhepunkte der Reise bezeichneten: Am Vormittag die Papstaudienz sowie am Nachmittag die Heilige Messe im Petersdom. Mit rund 22.000 Gläubigen aus Dutzenden Ländern jubelten wir Pilger aus dem Bistum Würzburg auf dem Petersplatz besonders, als Papst Leo XIV. uns direkt ansprach und für das Glaubensbekenntnis dankte. „Erinnern wir uns daran, dass es unsere höchste Berufung ist, Gott zu loben und zu preisen“, sagte Papst Leo. Im Anschluss der Papstaudienz ließen wir dann alle Strophen des Kiliansliedes über den Petersplatz schallen – ein ganz besonderes Gemeinschaftserlebnis. Die Ansprache des Papstes gibt es bei Radio Vatikan in voller Länge (übersetzt, auf Deutsch):
Nach einer frei verfügbaren Mittagspause und den unvermeidlichen Sicherheitskontrollen durften die Chöre zusammen mit Bischof Jung Eucharistie feiern – in der Apsis des Petersdoms, direkt unterhalb des berühmten Heilig-Geist-Fensters. Im Zentrum des Christentums, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Grab des Heiligen Petrus, kam die Kraft der Chöre noch einmal besonders zur Geltung. Sowohl der „große“ Chor sowie der Kammerchor, solistisch oder im Wechselgesang mit uns Wallfahrern, liefen zu großer Form auf. So wurden auch viele der Touristen im Petersdom magnetisch vom Chorgesang angezogen. Am Ende der Heiligen Messe gab es noch einen besonderen Segen von unserem Bischof Franz für ein Goldhochzeitspaar. Zum Abschluss des Tagesprogrammes nahmen wir noch in 18 Gruppen an einer Führung durch diese beeindruckende Kathedrale teil. Das Bistum berichtet:
https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/chorklaenge-im-petersdom/
Am Donnerstag sah der Himmel bedeckt aus. Nachdem unser Busfahrer Holger uns in Trastevere abgesetzt hatte, gelangten wir trockenen Fußes in die Kirche der Heiligen Cäcilia von Rom, die als Schutzpatronin der Kirchenmusik verehrt wird. Sowohl der Kammerchor unter der Leitung von Christian Stegmann als auch der große Wallfahrerchor gestalteten die Heilige Messe mit Klängen, die in diesen Kirchen eigentlich gar nicht üblich sind, während es draußen in Strömen regnete, donnerte und blitzte. Die Benediktinerinnen, die die Kirche betreuen, schwärmten von unserem Gesang. Nach einer kurzen Freizeit, die zum Eis-Essen oder Einkaufen genutzt wurde (bei Nieselregen), trafen wir alle pünktlich ab Bus ein, um durch die Albaner Berge nach Frascati zu fahren. Den Blick von oben auf die Heilige Stadt konnten wir nur kurz genießen: Nach einer guten Viertelstunde setzten kräftige Gewitter ein, die die Straßen in reißende Sturzbäche verwandelten: An eine Ortsbesichtigung war gar nicht zu denken. Mehr oder weniger tropfnass erreichten wir die Taverne, unseren Treffpunkt zu Wein und Abendessen, dessen Qualität uns die nasse Kleidung schnell vergessen ließ. Bis wir das Menü beendet hatten, war die Unwetterfront abgezogen, so dass „Bus 2“ sehr fröhlich die Rückfahrt ins römische Hotel antrat.
Nach diesen sehr erlebnisreichen drei Tagen in Rom ging es am Freitag, 11. September, wieder in Richtung Heimat. Die Heilige Messe mit unserem Bischof Franz, von beiden Chören gestaltet, feierten wir in Arezzo. Nach einer kurzen Mittagspause fuhr unser Holger uns dann gleich weiter nach Trient. Unterwegs gab es viel Gesang, Gespräche und Gelächter. Außerdem noch ein paar Informationen zu unseren Apostelfürsten – zum Apostelkonzil (Apostelgeschichte Apg 15,1–29 und im Galaterbrief Gal 2,1–10) und zu der wichtigen Frage, ob Peter und Paul denn wohl auch Nudeln mit tomatenhaltigem Sugo gegessen haben (nein! Nudeln wurden erst Jahrhunderte später erfunden und Tomaten gab es in Rom erst nach der Entdeckung Amerikas). Das ganz ausgezeichnete Hotel hatte „Bus 2“ ganz allein für sich, was wir sehr genossen haben.
Am Samstag, dem 12. September, unserem letzten Wallfahrtstag, ging es morgens gleich nach Brixen. Im Dom „Mariae Aufnahme in den Himmel und St. Kassian“ feierten wir bei Gesang, Gebet, Bläser- und Orgelmusik unseren Abschlussgottesdienst, an dessen Ende Dommusikdirektor Rainer Aberle allen Beteiligten ausführlich dankte. Nach der Mittagspause in Brixen, in der sich der eine oder andere auch noch mit Südtiroler Speck oder anderen Souvenirs eindeckte, ging es auf die Heimfahrt. Kurz nach Mitternacht trafen wir erschöpft aber glücklich wieder in Alzenau ein. Das Bistum berichtet:
Fazit: Eine wunderbare Wallfahrt; ein Bischof, der auf die Menschen zugeht, der begeistern kann; würdige und prachtvoll gestaltete Gottesdienste; wunderschöne Musik, tolle Chöre und Musiker; ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis, gerade in „Bus 2“ mit seinen beiden Busbegleitern Marcel Schwarz und Michael Bailer sowie all den supernetten Menschen, mit denen ich gerne wieder zusammen singen, beten und feiern möchte. Danke! Danke an alle und für alles; und unserem Herrn und seinen beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus, denen wir uns auf dieser Wallfahrtsreise nähern konnten.
Lucia Hünermann.

